Der Mai

Fieberklee (Bitterklee)
bei Fieber, Magen-, Darm- und Gallebeschwerden u. a.

Fieberklee066

Botanische Bezeichnung: Menyanthes trifoliata

Ostfriesische Volksnamen:  Bitterblad, Waterdreeblatt

NL: Waterdrieblad


Der Fieberklee ist eigentlich kein Kleegewächs, sondern er zählt tatsächlich zur Familie der Enziangewächse. Er liebt Moorsümpfe, wo man ihn in Ostfriesland auch heute noch wild antreffen kann. In der ostfriesischen Volksmedizin wurden nur die Blätter zu Heilzwecken eingesetzt, die am besten während der Blütezeit geerntet werden sollten. Meiner Erfahrung nach verfügen die Blätter jedoch auch noch danach über eine gute Wirksamkeit. 

Der sehr bitter schmeckenden Tee aus Fieberkleeblättern wirkt, wie der Name bereits sagt, gegen Fieber mit Kältegefühl und Frösteln . Er wird aber auch gegen Appetitlosigkeit, Magenschwäche, Magenkrämpfe und Durchfall mit Gärungserscheinungen getrunken. Da die Blätter anregend auf den Gallenfluss wirken, setzt man den Tee außerdem bei Gallenbeschwerden ein. 

Bekannte Inhaltsstoffe: Gerb- und Bitterstoffe, Flavonoide und Glykoside.

Anwendung und Dosierung

Teezubereitung: 1 Teelöffel Fieberkleeblätter mit ¼ Liter kaltem Wasser langsam zum Sieden erhitzen und noch 1 Minute kochen lassen, bevor abgeseiht wird. Es empfiehlt sich, den Tee mäßig warm und schluckweise zu trinken. Bei Appetitlosigkeit sollte man ihn möglichst 1 Stunde vor dem Essen einnehmen.

Dosierung der Tinktur: 3-mal täglich 20 bis höchstens 30 Tropfen in Wasser, wobei es sich empfiehlt, die verdünnte Tinktur bei Appetitlosigkeit und Magenbeschwerden vor dem Essen einzunehmen.

Handel: Fieberkleeblätter sind in der Apotheke als „Folia Trifolii Fibrini“ (Fa. Klenk oder Fa. Caelo) erhältlich. Der freie Kräuterhandel bietet sie als „Bitterkleeblätter“ an und vertreibt auch eine „Bitterkleeblättertinktur“, die jedoch unter die Apothekenpflicht fällt (Fa. Kräuter Schulte).



Holunder

bei Erkältungen, Husten, Heiserkeit, Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündung u. a.

Botanische Bezeichnung: Sambucus nigra

Ostfriesische Volksnamen: Fleddern, Fledderstruke, Fleddernboom

NL: Vlier


Ein Tee aus den Holunderblüten trinkt man bei beginnenden Erkältungen, nach Einwirkung von Nässe sowie bei Husten, Heiserkeit und Katarrh getrunken. Dieser Tee, den man möglichst heiß und mit Honig gesüßt einnimmt, wirkt besonders gut gegen Entzündungen der Nasenschleimhaut und der Nasennebenhöhlen. Wenn es doch zu einer Erkältung gekommen ist, sollte man zu Holundersaft greifen, der in diesem Fall allerdings auch heiß getrunken werden sollte.  Folgendes Rezept  eines heißen Erkältungstrunk wirkt  schnell und zuverlässig : 

Einen halben Liter Holunderbeersaft mit 1 Stück Stangenzimt, 3-5 Gewürznelken, 1 Stückchen Ingwer, etwas Schale von einer ungespritzten Zitrone und 1 EL Honig in einem Topf zum Sieden bringen und kurz aufkochen lassen. Der Erkältungstrunk sollte möglichst heiß eingenommen werden.

Wie meine eigenen Forschungsarbeiten ergeben haben, hat Holundersaft auch eine sehr gute Wirkung bei peripheren Durchblutungsstörungen, die sich durch kalte Hände und kalte Füße bemerkbar machen. In solchen Fällen sollte man 2-3-mal täglich ein Glas trinken. Nach der alten Signaturenlehre kann man dies daran erkennen, dass die verzweigten Stängel in der Fruchtdolde rötlich wie kleine Äderchen aussehen.

Gegen Durchfall ist das Trinken einer Abkochung aus den getrockneten Beeren hilfreich, die in abgekühltem Zustand auch zum Gurgeln bei einer Halsentzündung benutzt werden kann. Holunderbeeren kann man übrigens bei ca. 70° C im Heißluftbackofen auf Backpapier sehr gut selbst trocknen.

Bekannte Inhaltsstoffe: Die Blüten enthalten ätherische Öle, Flavonoide, Schleimstoffe sowie die auch in den Früchten vorhandenen schweißtreibenden Glykoside. Die Früchte enthalten außerdem den Farbstoff Anthocyan und Mineralien.

Anwendung und Dosierung

Teezubereitung der Blüten: 2-3 Esslöffel der Blüten mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen, 5-10 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Teezubereitung der Beeren: 3 gehäufte Esslöffel der getrockneten Beeren mit ½ Liter kaltem Wasser langsam zum Sieden erhitzen, etwa 10 Minuten köcheln lassen und dann abseihen. Nach dem Abkühlen nehmen Erwachsene davon bei Bedarf mehrmals täglich ein volles Likörglas ein. Bei Kindern reicht je nach Alter 1 TL bis 1 EL aus.

Handel: Holunderblüten bekommt man in der Apotheke als „Flores Sambuci“ und die getrockneten Früchte als „Fructus Sambuci“. Im freien Kräuterhandel wird beides unter den deutschen Namen vertrieben.



Gundermann

Botanische Bezeichnung: Glechoma hederacea

Ostfriesische Volksnamen: Kruup dör de Tune, blau Sugerke

Niederländische Bezeichnung: Hondsdraf

Nach Jan van Dieken (1893-1971, ostfriesischer „Kräuterpastor“) gehörte der Gundermann im ostfriesischen Moormerland zu den "söven Parten", also den sieben Bestandteilen der Gründonnerstagsmahlzeit (eine Art Kräuterspinat). Mit zerriebenen, frischen Blättern bekämpfte man nach Jan van Dieken Entzündungen der Nasenschleimhäute. Dasselbe ist auch wirksam bei Heuschnupfen, was mir zahlreiche Patienten bestätigten. Unter vielen anderen konnte ich bei den Dreharbeiten eines NDR-Films (2008) über die ostfriesische Volksmedizin einem Kameramann  damit helfen, der damals einen entsetzlichen Heuschnupfenanfall bekam, so dass die Filmaufnahmen aus diesem Grund schon abgebrochen werden sollten. Ich gab ihm damals frische Gundermannblätter und riet ihm, diese zu zerreiben und sich dann in die Nase zu stecken. Bereits nach etwa 10 bis 15 Minuten ging es ihm besser, so dass wir die Dreharbeiten fortsetzen konnten. ( Von diesem Augenblick an war er von meinen Fähigkeiten überzeugt.)

Anwendung: Die frisch zerriebenen Blätter werden in die Nasenlöcher gesteckt und eine Weile dort gelassen.

Meiner eigenen Erfahrung nach ist der Gundermann auch zur Behandlung von Kopfschmerzen geeignet. Eine Erklärung dafür ist sein hoher Gehalt an Kalium. Auch bei geschwollenen Lymphknoten erweist sich Gundermann als wirksam. Mehrere Patienten haben mir von der harntreibenden Wirkung dieser Heilpflanze berichtet. Da sie die Entgiftungsfunktion der Leber anregt, fördert sie u. a. die Ausleitung von Schwermetallen wie Blei und Quecksilber, was sich in meiner Praxis immer wieder bestätigt hat. Dieser Tipp stammt allerdings aus der indianischen Medizin, die ich ebenfalls erlernt habe.

Tipp für die Küche: Gundermann kann in kleinem Mengen als wildes Gewürz gebraucht werden.

Bekannte Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Gerbstoffe, Vitamin C, Mineralstoffe, besonders viel Kalium, etwas Saponin und ätherisches Öl.

Teezubereitung: 2-3 TL Gundermannkraut mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. 3 x täglich 1 Tasse trinken. 

Handel: In der Apotheke ist Gundermann unter der Bezeichnung "Herba Hederaceae terrestes" erhältlich. 



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